KS-Stürze im Innen- und Hintermauerwerk

Neues Sicherheitskonzept
Sowohl die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung Z-17.1-978 als auch die darauf aufbauende Typenstatik basieren auf dem neuen europäischen Sicherheitskonzept. Die Umsetzung dieses Konzeptes ist auf nationaler Ebene in der DIN 1055-100: 2001-03 beschrieben. Demnach findet eine Gegenüberstellung von Einwirkungen (Lasten) und Widerständen (Materialparametern) statt.

Für den statischen Nachweis sind zum einen der „Grenzzustand der Tragfähigkeit“ (Tragwerksversagen) und zum anderen der „Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit“ (Verformungsbegrenzung) zu betrachten. Bei der Betrachtung der jeweiligen Grenzzustände werden sogenannte Bemessungswerte ermittelt, die unter Berücksichtigung der entsprechenden Teilsicherheitsbeiwerte nach DIN 1055-100 berechnet werden.

Bemessungsgrundlagen
Die Bemessung der KS-Flachstürze erfolgt nach der allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung Z-17.1-978 mit den Versagens- kriterien Schub- und Biegetragfähigkeit sowie Herausziehen der Bewehrung am Auflager (Verankerungsversagen). Die Schubschlankheit ist zu begrenzen. Bei Gleichlast gilt die Formel (1)



Bei der Ermittlung der Stützweite ist DIN 1045-1: 2001-07 zu beachten; die Nutzhöhe errechnet sich bei Berücksichtigung der Stahlbetondecke als Druckzone nach A. Ohler "Bemessung von Flachstürzen, Mauerwerk-Kalender 1988 - Verlag Ernst & Sohn, Berlin".

Bei den Annahmen hinsichtlich der anzusetzenden Nutzhöhe (Mauerwerk + Beton) geht Ohler davon aus, dass die Stahlbetondecke als Ortbetondecke direkt auf die Übermauerung des Zuggurtes aus Mauerwerk aufbetoniert wird. Bei den heute üblichen Fertigdeckensystemen wird die als Deckenzugzone vorgefertigte Stahlbetonplatte auf das tragende Mauerwerk aufgelegt und der Ortbeton der Decke nachträglich eingebracht.

Bei Wanddicken von 115 mm kann es bei Auflagerlängen der Decke von = 4 cm vorkommen, dass der Ortbeton mit dem Mauerwerk nicht mehr in Berührung kommt. In diesem Fall ist durch geeignete Maßnahmen, z. B. Verlegen der Deckenplatte im Mörtelbett, Heranführen der Platte bis an die Wandvorderkante mit beidseitig vorzusehenden Stützjochen oder Aussparen der Stahlbetonplatte im Wandöffnungsbereich (Bilder oben), ein scherfester Verbund zwischen Stahlbetondecke und Übermauerung herzustellen.

Bemessungshilfen
Bei den in den Bemessungstafeln angegebenen Tragfähigkeitswerten handelt es sich um Bemessungsgrößen, die unter Berücksichtigung der Teilsicherheits-
beiwerte nach DIN 1055-100 und Einhaltung der beiden, in den oberen Abschnitten erläuterten Grenzzustände ermittelt wurden.

Zu den in der Technikbroschüre enthaltenen Flachstürzen liegt eine geprüfte Typenstatik vor, die auf der Grundlage der Bemessungsansätze der Zulassung Z-17.1-978 erstellt wurde. Die in den Tafeln aufgeführten Werte sollen als Bemessungshilfen dienen, maßgebend ist jedoch die Typenstatik. Als Druckzone wurde nur Mauerwerk berücksichtigt. Bei der Ausbildung der Druckzone aus Beton oder Mauerwerk und Beton sind – auf der sicheren Seite liegend – die Tafelwerte der Druckzone aus Mauerwerk heranzuziehen. Mit a ist in den Tafeln die Auflagerlänge, mit Ln die lichte Weite der Öffnung bezeichnet.

Bei kleinen Wandöffnungen ist überwiegend der Nachweis auf Schub maßgebend, während mit zunehmender Öffnungsbreite die Biegetragfähigkeit und die Verankerungslänge der Bewehrung maßgebend werden.

Nicht enthalten in den Tafeln sind KS-Flachstürze in einer Sturzbreite von 100 mm für nicht tragende Wände. In diesem Fall wird empfohlen, die Tragfähigkeit solcher Stürze zur Abschätzung etwaiger ungewollter Lasten aus Kriechen und Schwinden, der auf der nicht tragenden inneren Trennwand nach DIN 4103-1: 1984-07 aufliegenden Stahlbetondecke für eine Sturzbreite von 115 mm aus den Tafeln zu entnehmen.

Bei Sturzhöhen, die zwischen den Spalten der Tafeln liegen, ist die nächstniedrigere Sturzhöhe maßgebend. Eine Interpolation der Tragfähigkeiten zwischen den Sturzhöhen ist nicht zulässig! (Unterschiedliche Versagensfälle möglich).

Die Tragfähigkeit der KS-Fertigteilstürze (FTS) ist den Angaben der Herstellwerke zu entnehmen. Das Bemessungsmodell des Bogen-Zugbandes liegt allen Stürzen zugrunde. Für die Vorbemessung dieser Stürze dürfen daher in erster Näherung die Tafeln der KS-Flachstürze verwendet werden.

Ermittlung der Belastung für KS-Flachstürze
Nach DIN 1053-1 Abschnitt 8.5.3 kann die Einflussfläche der Belastung begrenzt werden, wenn sich neben und oberhalb des Flachsturzes eine Gewölbewirkung ausbilden kann, also dort keine störenden Öffnungen liegen.

Als Belastung müssen dann nur die innerhalb des Lastendreiecks (gleichseitiges Dreieck mit der Höhe H über dem KS-Flachsturz) befindlichen Eigengewichts- und Nutzanteile berücksichtigt werden. Diese werden aufsummiert und es ergibt sich daraus die Auflagerkraft A. Die ermittelte Auflagerkraft A kann dann mit Hilfe der Formel (2) in eine Gleichstreckenlast umgerechnet werden, die zur Bemessung der Tragfähigkeiten aus den Bemessungstafeln erforderlich wird.

Die Auflagerpressung ist bei Verwendung von KS-Flachstürzen in KS-Mauwerk stets eingehalten und muss nicht nachgewiesen werden.






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